Wer einmal ein Lieblingswerkzeug besessen hat, kann vielleicht nachempfinden, was Hermann Hesse der Verlust seines Taschenmessers bedeutete. Wieso widmet ein bekannter Schriftsteller und Dichter einem so alltäglichen Ding wie einem Messer ein ganzes Kapitel? Nun, Hesses Messer war "kein gewöhnliches Taschenmesser", wie er selbst sagt. Vielmehr hat es ihn in all seinen Jahren als Gärtner begleitet und ihm so manch guten Dienst erwiesen. Beide, sowohl das Messer als auch Hesse, haben Spuren des Gebrauchs davongetragen: das Messer Macken und Brandflecke, Hesse eine  Narbe am Finger. Trotzdem lag ihm dieses Messer am Herzen - möglicherweise, weil es so gut in der Hand lag?

Ein Messer zu finden, das so gut zu einem passt, ist ein Glücksgriff. Denn ohne Messer kommt man im Garten nicht weit. Vermutlich ist  das Messer eines der ältesten Werkzeuge überhaupt. Bereits in der Jungsteinzeit haben Menschen mit Messern gearbeitet. Die Form und die verwendeten Materialien waren natürlich noch nicht so ausgereift wie heute, doch das Prinzip war schon das Gleiche: ein Griff und eine scharfe Klinge. Und als der Mensch begann, Pflanzen zu kultivieren, haben Messer auch in der Gartenarbeit eine besonders wichtige Rolle eingenommen. Verfolgt man die Geschichte der Gartenmesser zurück, so fällt auf, dass sie untrennbar mit der Veredlung von Gehölzen verbunden ist. Ein Schüler des Philosophen Aristoteles verfasste bereits ca. 300 Jahre v. Chr. Schriften, in denen zum ersten Mal die Methoden des Okulierens und Pfropfens beschrieben wurden. Auch Kaiser Karl der Große war ein Förderer von Baumschulen. In den Gärten mittelalterlicher Klöster kümmerte man sich um Pflege und Vermehrung von Pflanzen. Anzunehmen, dass spezielle Gartenmesser auch damals schon hoch geschätzt und unverzichtbar waren.

In seiner Taschenmesser-Geschichte beklagte Hermann Hesse noch, dass die Industrie anstelle der bewährten Formen immer neue, sinnlose Spielereien entwickelt, die nicht mehr von Dauer sind. Tatsächlich gibt es nur noch ein paar wenige Betriebe, die Gartenmesser in Handarbeit herstellen und dabei bewährte Qualitätsstandards zugrunde legen.

Für alle Verwendungszwecke gibt es verschieden geformte Messer. So sehr sich Küchenmesser von Jagdmessern unterscheiden, so differieren die Formen der einzelnen Gartenmesser untereinander. Da gibt es kurze, lange, breite, schmale oder gar geschwungene Klingen, klappbar oder festsitzend, einseitig oder beidseitig angeschliffene Klingen, Messer mit einer Art "Horn" auf der Klinge, dem so genannten "Löser", und noch viele Formen mehr. Erstaunlich ist, dass sich die Anforderungen an Gartenmesser auch kulturell unterscheiden. Sie haben also die Qual der Wahl, bevor Sie sich für ein bestimmtes Stück entscheiden. Worauf Sie aber immer achten sollten, ist die Qualität. Hochwertige Messer kosten etwas mehr, halten dafür aber um so länger. Messer werden in unseren Gärten wohl so lange eine Rolle spielen, wie Pflanzen geschnitten, gestutzt, geerntet oder veredelt werden. Ein richtig gutes Messer wird seinem Besitzer bei ordentlicher Pflege ans Herz wachsen und lange Freude bereiten. Halten Sie es also fest, damit Sie es nicht verlieren! 

Schleifen

will gelernt sein. Je nach Klingentyp variiert der Vorgang. Fachleute warnen vor dem Schleifen an Schleifscheiben. Abziehsteine wie der berühmte "Belgische Brocken" leisten bessere Dienste.

Edel und Gut

Modelle mit Griffen aus Oliven- oder Buchsbaumholz und speziell gehärtetem Stahl sind die Rolls-Royces unter den Messern. Sie werden von einer italienischen Firma in Handarbeit hergestellt (Conaz).

Quelle: Garten & Wohnen (Uta Daniela Köhne) 

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